Waidmannsheil
Stellungnahmen
Meine Person
Gästebuch


 

 

Die Natur ist unser kostbarstes Gut!

 

Lesen Sie nun interessante Stellungnahmen bezüglich Abschuss von Rotwild.

Hier:

Gebiet Veldensteiner Forst bzw. Fichtelgebirge!

Das Geschriebene basiert auf einem Briefwechsel zwischen Herrn Prof. Dr. Vocke, Präsident des Landesjagdverbandes Bayern, meiner Wenigkeit und unserem Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Herrn Dr. Miller!

Zunächst nun mein Anschreiben:

 

Autor  Helmut Wolf, Bayreuth

 

An den

Landesjagdverband

Bayern E.V.  

Herrn Prof. Dr. Vocke                                             

Hohenlindner Str. 12                                                                     

85622 Feldkirchen                                                                        

31.Oktober 2000

Sehr geehrter Herr Dr. Vocke.

Dieses Schreiben das ich an Sie richte, kommt leider 5 Jahre zu spät. Was mich jetzt bewegt ist nicht nur an Sie gerichtet, sondern an die Bayrische Jägerschaft und bundesweit darüber hinaus.

Das Klagelied eines Bayreuther Jägers!

Da ich 39 Jahre im Besitz eines Jagdscheins bin fallen mit zum Jahreswechsel keine Worte mehr ein. Ich habe viel im Fichtelgebirge gejagt, mein eigentlicher Wald ist und bleibt der Veldensteiner Forst. Mit fast 8000 ha Wald war dieses Refugium absolut für unser heimisches Rotwild geeignet. Wenn ich aber heute ins Fichtelgebirge hinauffahre, sei es am Ochsenkopf, Hirschhorn, Grassemann, das gleiche gilt für den Veldensteiner Forst, und streife durch die Waldungen, gerade jetzt in der Hirschbrunft, dann bekomme ich ein Schaudern. Es ist so ruhig wie in der Leichenhalle. Es röhrt kein Hirsch mehr (wo stehen wir heute mit unserer Kreatur) Wenn man in der bayrischen Stadtbibliothek liest und hört, heißt es immer Fisch- und Wildreiche Gegenden. Heute haben wir im Veldensteiner Forst das Wildgehege Hufeisen, das zum Schauobjekt wurde für den Großraum Nürnberg - Bayreuth wurde und eine gute Einrichtung ist. Aber es nützt nichts, wenn man draußen im Wald ist, und die Leere begegnet einem. Nun hat die oberste Jagdbehörde in München das Rotwild vom Nutzwild zu Schädlingen degradiert. Rotwild heißt gleich rotes Tuch und wenn wir noch ein bisschen warten kommt es in das rote Buch. Jahrzehntelang wurden im einem Jahr 500 - 600 Stück Rotwild erlegt. Für mich ist das Jagdfrevel. Die hohen Herren haben keine Ehrfurcht mehr vor dem Schöpfer.

Ich habe früher gelernt von Herrn Forstassessor Otto Bauer der später Leiter der Bayrischen Forstverwaltung wurde. Er war mein Kursleiter zur Jägerprüfung in Bayreuth. Da wir Jäger das Tötungsrecht haben im Sinne der deutschen Waidgerechtigkeit, haben wir uns immer den Vorsatz genommen „Fühlen und Handeln in der Natur". Heute haben wir eine andere Anwendung, Drückjagd (oder das moderne Wort Bewegungsjagd). Jetzt wird das Wild vom Einstand rausgerückt, komme was da wolle. Es wird kein Stück mehr angesprochen. Es werden Junghirsche, Spieße, frühere Alttiere liquidiert. Ich bitte, dass endlich Einheit geboten wird. Mein Spruch gilt immer noch: "Was wir still gelobt im Wald wollen draußen ehrlich halten"

Es ist höchste Zeit Hahn in Ruh, Finger weg vom Abzug. Wenn ich heute in den Veldenseiner Forst gehe und sehe Alttiere mit Kalb, erschrecke ich, daß ich fast annehmen muss, es ist von einem Baum runter gefallen.

Der BJV teilte vor einem Jahr mit, dass Rotwild eine genetische Verarmung aufweist. Denn das Wild ist ein Rudeltier und wo sollen sie noch hin? Welcher Staat hat das Recht dieses Edelwild aus dem Wald zu verdammen. Es ist traurig aber wahr. Schuld an der Misere ist der Bayrische Rechnungshof, der auf das Rotwild gesetzt hat und die Auflage gemacht hat." Schußfrei fürs Wild" weil der Wald so viel Schaden aufweist an Verbiß und Schälungen. Bei mir steht fest, dass das Rotwild in den Erbanlagen eine Verankerung hat. Der Hirsch immer schält auch wenn er genügend Äsung aufweist, denn er braucht die Gerbsäure der Rinde.

Der holzwirtschaftliche Faktor schlägt heute nicht mehr zu Buche, denn durch die skandinavischen Länder einschließlich Tschechien mit Dampingpreisen, wird das Holz bei uns eingeführt und unser Wald wird langsam aber sicher ersticken durch Rotfäulnis und dergleichen. Die Wilddichte ist zu niedrig. Auf 100 ha. 1 : 1 kann es nicht weitergehen. Andere Länder praktizieren es gerade umgekehrt.

ich sah zufällig den Film auf ARTE mit dem Titel „Europäische Hirsche". In Frankreich wurde Rotwild eingefangen und mit Transportern fast 42 Stunden transportiert und in den Hochalpen Piemont (Italien) ausgewildert.

Da ich ein Anwalt des Rotwildes bin, besonders aller Schalenwildarten und was da kreucht und fleucht. Es liegt alles im Argen. Und im übrigen ist das Schälen und Verbeißen des Wildes nicht so hoch wie das moderne Holzrücken in unseren Wäldern, der den Schaden weit übertrifft. Ich hoffe, dass dieses Schreiben ein offenes Ohr findet für alle Institutionen. Somit schließe ich hochachtungsvoll meine Klageschrift mit dem Waldmannsheil.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Wolf

-----------------------Hier die Antwort:

 

Landesjagdverband Bayern e.V.

im Deutschen Jagdschutz-Verband e.V.

 

PRÄSIDENT Dr. Jürgen Vocke, MdL

 

 

Landeslagdverband Bayern e.V., Hohenllndner Str. 12, Feldkirchen 85622

Herrn

Helmut Wolf

Tegernseeweg 67

95445 Bayreuth

 

 

Schreiben vom 07.12.2000

Telefon: (0 89) 9 90 23 40 Telefax: (089)99023435

                                                                                                                                     Internet: http://www.jagd-bayern.de                                                                                                                                                                          

                                                                                                                                            eMail: Dr. Vocke@jagd-bayern.de

                                                                                                                                  

Az.: I-PR/Ku

(Bei Antwort bitte angeben)

 


Rotwild im Fichtelgebirge

Sehr geehrter Herr Wolf,

für Ihr Schreiben vom 31.10.2000, in dem Sie über die Situation der Rotwildbestände im Fich­telgebirge und Veldensteiner Forst berichten, danke ich Ihnen herzlich.

In den bayerischen Jagdrevieren werden alljährlich rund 8.500 - 9.000 Stück Rotwild erlegt. Wenn dieser Abschuss dem Zuwachs in etwa entspricht, dann ziehen zum Frühjahr eines jeden Jahres etwa 20.000 Stück Rotwild ihre Fährten durch unsere bayerischen Wälder.

Nur noch in verhältnismäßig wenigen Gebieten Bayerns findet diese Wildart einen ihren Bedürf­nissen zusagenden Lebensraum. Zu sehr hat der Mensch den Lebensraum massiv verändert oder durch Freizeitsuchende, Jogger, Mountainbiker und letztendlich jeden Spaziergänger beeinträch­tigt. Hinzu kommt die Verinselung der weitaus meisten Rotwildpopulationen durch unüberwindbare Barrieren zu benachbarten Vorkommen. Aber auch die über 100 Jahre praktizierte, an ei­nem möglichst raschen und hohen Reinertrag orientierte Forstwirtschaft mit ihren großflächigen und monotonen Fichten- und Kiefembeständen trug sicher nicht zum besonderen Wohlbefinden dieser Wildart bei. Die naturnahe Waldwirtschaft eröffnet zweifellos auch für das Rotwild neue Perspektiven, da sie seine Lebensbedingungen flächig verbessert. Schon allein aus dieser Sicht ist ein Miteinander zwischen der Fortverwaltung und der privaten Jägerschaft zu suchen. Natür­lich weiß ich, dass viele Forstbeamte im Rahmen des nun stattfindenden Waldumbaus die Devise „Wald vor Wild" ausgeben, worunter nachhaltig die Sozialstruktur des Rotwildes leidet.

Nun hat es die Natur einmal so eingerichtet, dass das Rotwild teilweise von den gleichen Pflan­zen lebt und leben muss, für die sich auch der Forstmann oder Waldbesitzer interessiert. Und hier beginnt das Dilemma. Rotwild ohne einen gewisses Maß an Verbiss und Schäle ist nicht zu haben. Dies muss jedem, der mit dieser Wildart zu tun hat, klar sein. Knospen, Gras und Kräuter gehören nun einmal zum Nahrungsspektrum des Rotwildes ebenso wie auch die Rinde von ge­wissen Bäumen. Vor diesem Hintergrund bin ich dankbar und froh, dass die Forstlichen Gut­achten zur Situation der Waldverjüngung 2000 eine deutliche Verbesserung der Verbissbelastung in allen Rotwildgebieten Bayerns anzeigen.

In meinen Augen ist dies auch eine Grundlage, den Dialog um die Behandlung unseres Rotwildes neu zu beginnen. Ein wichtiger Schritt ist uns bereits im Frühjahr 2000 gelungen, indem die geplante Zerschlagung des Rotwildgebietes Fichtelgebirge abgewendet werden konnte. So hat der Bayerische Landtag abgelehnt, 24.724 ha Rotwildfläche aus dem Gesamtkomplex des Fichtelgebirges zu entnehmen. Nun ist es allerdings an der Zeit, mit allen Beteiligten über ein Konzept zu beraten, das Rotwild flächig zu erhalten.

Aus diesem Grunde bin ich dankbar und froh, dass ich in Ihnen einen guten Mitstreiter sehe, der das Rotwild als Bestandteil der Lebensgemeinschaft Wald und Feld sieht. Gerne versichere ich Ihnen, dass ich mich als Abgeordneter im Bayerischen Landtag sowie als Präsident des Landesjagdverbandes Bayern für den Erhalt des Rotwildes in Bayern einsetzen werde. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute und verbleibe


Mit einem kräftigen Waidmannsheil

Landesjagdverband Bayern e.V.

Prof. Dr. Jürgen Vocke

---------------------Und ein Dankes-Schreiben:

 

Helmut Wolf-Tegernseeweg 67-95445 Bayreuth

 

An den

 

Landesjagdverband Bayern e. V

z. Hd. Hr. Prof. Dr. Vocke

Hohenlindnerstr 12

85622 Feldkirchen

Ihr Schreiben vom 07.12.00, Az.: J- PR/ KU

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Vocke,

ich nöchte mich für Ihre Stellungnahme zu meinem Schrei­ben recht herzlich bedanken.

In Ihrem Brief haben Sie deutlich  gemacht, dass sehr wohl eine Aussonderung des Rotwildes von Nöten ist. Ich kann Ihre Auffassung, basierend auf erstellten Stati­stiken und Prognosen verstehen.

Dennoch möchte ich erwidern, dass auch ich ein Jagdmann bin, der mit Herz und Seele, aber auch mit wachen Augen und Verstand in seinem Revier und anderen Wäldern unter­wegs ist.

Wenn bei mir der Eindruck entstanden ist, dass es in un­seren Forsten  einsamer geworden ist, bin ich mit die­ser Einschätzung sicher nicht alleine. Sie als erfahrener Kenner des Waldes, werden mir sicher nicht ganz Unrecht geben.

Ich verbleibe mit einem herzlichen Waidmannsheil und besten Grüßen.

Ihr H. Wolf

---------------------Nun die Stellungnahme unseres zuständigen Ministers Dr. Miller, der mein Schreiben am 11. Dezember 2000 erhielt:

BAYERERISCHER STAATSMINISTER

FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN

R4-JF 105-37


Herrn Helmut Wolf

Tegernseeweg 67

 

95445 Bayreuth

29.01.2001

Rotwild im Fichtelgebirge und Veldensteiner Forst

Sehr geehrter Herr Wolf,

für Ihr Schreiben vom 11. Dezember 2000. in dem Sie Ihre Sorge über den Fortbestand unseres heimischen Rotwildes äußern, danke ich Ihnen.

Das Rotwild ist unsere größte heimische Schalenwildart. Die einst großräumigen und ho­mogenen Lebensräume dieser Wildart wurden im Laufe der Zeit u. a. durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung, Siedlungen, Industrie und Verkehrswege immer mehr einge­engt, zerschnitten und verändert. Für den Erhalt gesunder Rotwildpopulationen in Bayern tragen insbesondere die Jäger, Landwirte und Förster große Verantwortung. Bei allen Ent­scheidungen sind immer auch die Ansprüche der Menschen zu berücksichtigen. Die Erhal­tung und Wiederherstellung standortgemäßer, vielfältiger und gesunder Wälder muss oberstes Ziel sein. Solche Wälder mindern den Abfluss von Niederschlägen, halten Schnee zurück, liefern sauberes Trinkwasser, bieten Raum für Erholung und Naturgenuss und sind nicht zuletzt für das Wild ein optimaler Lebensraum. Der Anpassung der Schalenwildbe­stände an die Kapazität des Lebensraumes kommt daher entscheidende Bedeutung zu. Un­sere jagd- und forstpolitische Zielsetzung „Wald vor Wild" trägt dem Rechnung. Damit ist jedoch keinesfalls ein Wald ohne Wild gemeint, sondern die Schaffung eines intakten und ökologisch wertvollen Lebensraumes im Wald, der wiederum für einen gesunden Wildbe­stand die wichtigste Voraussetzung darstellt.

Die Diskussion um Wald und Wild wurde und wird meist sehr offen und emotional ge­führt und das ist grundsätzlich nur dort, wo Emotionen sind, ist Leben und Bewegung. Nur wenn wir den Wald als Lunge der Landschaft hegen, pflegen und erhal­ten, werden die von und in ihm lebenden Arten und auch der Mensch langfristig überle­ben. Wir alle tragen große Verantwortung im Umgang mit unserer Umwelt. Jeder Einzelne ist aufgefordert, in einer konstruktiven Auseinandersetzung seinen Teil dazu beizutragen, unsere Welt auch in Zukunft lebenswert zu erhalten. Eine insgesamt akzeptable Lösung kann nur gefunden werden, wenn alle auf das gemeinsame Ziel hin konstruktiv zusam­menarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Miller

 ----------------------------------------------------------------

Lieber Leser!

 Machen Sie sich einen eigenen Reim auf das Gelesene. Die Meinung jedes Einzelnen ist hierzu gefragt und wichtig!

 Sie können mir eine Nachricht in meinem Gästebuch hinterlassen ! Meine E-Mail-Adresse lautet

helmutwolf@freenet.de

Waidmannsheil

Ihr Helmut Wolf

Copyright Helmut Wolf.Es freut mich sehr, dass Sie die Briefe gelesen haben. Vielleicht haben Sie auch eine Meinung dazu und schreiben mir! Danke!




Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist der Autor. Kontakt zum Autor