Seit eh und je haben Schiffe und Flugzeuge einen Navigator, ein für die Einhaltung des Kurses verantwortliches Besatzungsmitglied. Im Auto sind navigatorisch begabte Beifahrer auch nicht zu verachten. Seit einigen Jahren werden sie allerdings immer mehr verdrängt durch elektronische Navigationsgeräte, die manche Benutzer bereits „neivi“ nennen, obwohl das Wort „navigator“ eindeutig lateinischen Ursprungs ist. Im Vergleich der Kosten für Anschaffung, Unterhalt und Beseitigung von Navigationsgerät bzw. Navigator kommt man zu eindeutigen Ergebnissen: das Navi ist weitaus billiger.
Mir persönlich fehlt der menschliche Aspekt im Navi. Die vom Hersteller empfohlene Programmierung mit der zur Auswahl vorhandenen weiblichen Stimme kann diesen Missklang nicht ausgleichen. Widerspruch gegen eine einmal eingegebene Route wird nicht zur Kenntnis genommen. Ganz im Gegenteil, man muss höllisch aufpassen, dass man keine Schreibfehler während der Eingabe macht. Es wird ja alles gespeichert. Man stelle sich die Verwicklungen vor bei Tippfehlern in Rursee und Ruhrgebiet.
Mir fehlt jemand, den ich ausschimpfen kann, wenn er mehrfach versucht hat, mir einen Weg zu weisen, der einfach falsch ist, der noch nie richtig war und der in die Irre führt. Aber nein – unbelehrbar versucht das Navi immer wieder, mir seine Richtung aufzuoktroyieren, aufzuzwingen, obwohl ich es besser weiß, zumindest in meiner Heimatstadt.
Warum die Husarenstraße in den mir bekannten Routenfindern so beliebt ist als die einzige Möglichkeit, unsere Stadt Richtung Norden zu verlassen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Die Straße ist nach etwa 100 Metern zu Ende und führt als Fuß- und Radweg am Schwimmbad vorbei ins Grüne.
Anfang des vorigen Jahrhunderts mag diese „Husaren“-straße ja mal ein Verbindungsweg gewesen sein zu dem Exerzierplatz der leichten Reiterei „Bonner Husaren“, denn auf der Hangelarer Heide gediehen die besten Möhren weit und breit für deren Pferde Aber heute? Hat etwa die Stadtverwaltung mit einem „Husarenstreich“ das Areal okkupiert und auf der Hangelarer Heide schon mal eine Trasse angelegt, um dort später die „Husaren“ -straße ausbauen zu können?
Wie kommen solche Fehlinformationen zustande? Dem Navi ist das egal. Ein Beifahrer ist da verletzbarer, um nicht zu sagen „ ausschimpfbarer“. Wie oft war ich als verzweifelnder Beifahrer unterwegs und sollte mit der Weitsicht-Brille auf der Nase die nächste zu fahrende Straße ausfindig machen. Und dann ein Fahrer, beruhigenden Worten nicht zugetan, der weiterschimpft, auf die Frauen im Allgemeinen und die gerade anwesenden im Besonderen. Vor Wut weinen – sich selbst einen Esel nennen?
Nein, heute gibt es Ersatz, heute gibt es das Navigations-gerät! Ich sehe mich gezwungen, strategische und wirtschaftliche Gründe zu akzeptieren und das Navi widerspruchslos hinzunehmen. Aber im Hinterkopf rumort in mir der Gedanke: komm du mir nach Hause, dann werde ich dir zeigen, wo der Hase läuft.
Aufgeschrieben von Erika Widdershoven im September 2008.
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