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Wer oder was ist EPPICH

 

EPPICH   Gedicht von C.F. Meyer (1825 – 1895)

Eppich, mein alter Hausgesell

Du bist von jungen Blättern hell.

Dein Wintergrün, so still und streng

Verträgt sich’s mit dem Lenzgedräng?

- „Warum denn nicht? Wie meines hat

Dein Leben alt und junges Blatt

Eins streng und dunkel, eines licht

von Lenz und Lust! Warum denn nicht?“

 

Wer oder was ist Eppich ?

Conrad Ferdinand Meyer – jawohl, derselbe, der „die Füße im Feuer“ schrieb gibt uns mit seinem kleinen Gedicht ein Rätsel auf, das  wir aber mit Hilfe eines etymologischen Wörterbuches lösen werden.

Eppich wird in den meisten diesbezüglichen Veröffentlichungen mit „Sellerie“ übersetzt. Sellerie ist eine seit dem Altertum im Mittelmeergebiet bekannte Pflanze. Blätter und Blüten von wild wachsendem Sellerie dienten im alten Ägypten als Grabbeigaben. Von den Griechen wurde er sélinon  genannt, von den Römern apium graveolens (Eppich, stark riechend). Wenn man bedenkt, dass selbst Homer in seinen Epen bereits den Sellerie erwähnt, dann wundert es niemanden, dass Sellerieanbau seit der Antike bis heute noch betrieben wird und ganze Regionen z.B. um Selinunt (Sizilien) herum nach Sellerie duften.

Die siegreichen Spieler bei den „Olympischen Spielen“  der Antike wurden mit Lorbeerblättern bekränzt, siegreiche Spieler der Isthmischen und Nemeischen Spiele – so erzählt man – mit Sellerieblättern. Andere Chronisten berichten, dass die Spieler  die einzelnen Pflanzen gar nicht unterscheiden konnten, für sie war alles apium oder api (Sellerie, Petersilie, Efeu) alles war Eppich. Petersilie wurde Steineppich genannt (von griechisch petrosélinon). da sie in besonders kalkhaltigen Mauerritzen wuchs.

All diesen Eppichen ist eines gemeinsam – die medizinische Ausrichtung der Inhaltsstoffe. Der Sellerie besitzt eine belebende, stärkende, harntreibende und sexuell stimulierende Wirkung, der Petersilie wird Ähnliches zugeschrieben. Sie soll unter anderem harntreibend sein und, in größeren Mengen genossen, Einfluss auf eine Schwangerschaft nehmen können.

Kinderlieder – mit meist überlieferten Texten und Melodien über Familie, Haus und Garten, über Heiraten, Kinder kriegen (oder auch nicht), über Leiden und Scheiden – in diesen Zusammenhang gestellt, ergeben ein ganz anderes Bild als das von fröhlich spielenden Mädchen oder Jungen. Man hört: „Ihm ist die Petersilie verhagelt“, was bedeutet, er ist missgestimmt, niedergeschlagen.

Im Kinderlied: „Petersilie Suppenkraut wächst in unserm Garten. Das Mariechen ist die Braut, soll nicht länger warten“, ist wohl die Petersilie als Mittel der Empfängnisverhütung gemeint.

Als Aphrodisiakum wird Sellerie empfohlen. Zu Karneval, wenn sich alle verausgaben, dann gibt’s Selleriesalat:

            Freu dich Fritzchen, freu dich Käälche, morgen gibt’s Selleriesalat.

            Do wees lecke, dat wed schmecke, do deis schnalze met der Zung,

            denn dat schlötche bei nem Brödche mäht dich widder jung.

Und wenn sowohl Petersilie als auch Selleriesalat Wirkung gezeigt haben, das Mädchen schwanger ist oder bereits ihr Baby hat, der Galan auf und davon – über alle Berge verschwunden ist, dann fallen mir Lieder aus der Küche ein, Moritaten gesungen mit Drehorgel-Begleitung, wie z.B. „Mariechen saß weinend im Garten…“,  (in jedem Jahr an Himmelfahrt in Linz am Rhein zu erleben).

 

So ist das mit der Liebe,

himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt –

wie gut, dass es unseren Eppich noch gibt.

 

 

verfasst von Erika Widdershoven 20.09.2006

 



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