Gästebuch
Inhaltsverzeichnis
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 Aktives Musizieren   
            hält Herz und Kreislauf gesund

                     
    

Sing und erzähl , wie lässt sich das miteinander vereinbaren?
Zum Singen gibt es immer einen Grund. Meine 
Mutter hatte jederzeit ein Lied parat, das immer in Text und Melodie der gerade anstehenden Situation musikalisch gerecht wurde, ebenso wie die schicken Hüte, die sie immer gerne trug. Ein Lied von Paul Gerhardt hat mich während meiner ganzen Kindheit bis heute begleitet. Meine Mutter sang es mit mir während unserer gemeinsamen Spaziergänge durch die sommerlichen Felder, sie sang es auch auf dem Friedhof, den wir als Abkürzungsweg benutzten. Heute begegnet es mir oft bei Trauungen. So alt und doch so jung, ich finde es schön, dass es dieses Lied gibt: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit – an deines Gottes Gaben.“ Im weiteren Verlauf dieses mehr als 10 Strophen umfassenden Liedes wird auch die Nachtigall besungen. Die bringe ich allerdings immer mit einem Weihnachtslied in Verbindung, das meine Mutter und ich zweistimmig am heiligen Abend sangen - leicht versetzt – wie einen Kanon. „Lieb Nachtigall wach auf“ – wir haben es nie bis zur zweiten Strophe gebracht, der Wohlgesang hörte kurz vor Ende der ersten Strophe auf. Meine Mutter, die die zweite Stimme voller Inbrunst und auswendig sang, fand im Notenbuch nicht so schnell die passende Stelle, und wir mussten jedes Mal den Gesang abbrechen. Zweistimmig habe ich dieses Lied nie zu Ende gesungen. Im weiteren Verlauf dieses Christabends hatten mein Vater und ich einen Heidenspaß und haben das Lied  „Eine Muh eine Mäh eine Täterättätä“ richtig laut geschmettert,  mit sämtlichen Variationen und neuen Texten - Mutti liebte mehr die leiseren Töne..
Gemeinsam mit anderen zu singen, das war für mich das Schönste. Da waren wir aber schon - von Vaters Seite her dienstbedingt -, in einer anderen Stadt, in Dinslaken, wo sich alles viel leichter anließ und sich einfacher ergab, als in Kleve, dem Ort, in dem ich später mein Abitur machen sollte. Dort existierte ein Mädchengymnasium und ein Jungengymnasium, örtlich weit voneinander getrennt. Dinslakens Gymnasiasten und –innen waren zumindest im selben Gebäude untergebracht.
Unser Musiklehrer in Dinslaken, „Pepi“ Kirchhefer, stellte eine schulübergreifende Combo auf die Beine und begleitete am Klavier. Wir machten richtigen Jazz, später imitierte ich Caterina Valente mit dem Lied „Ganz Paris träumt von der Liebe“. Diese „Solo-Karriere" war allerdings nur ein Abstecher auf dem Weg zum Chorgesang, in dessen Feinheiten uns „Pepi“ Kirchhefer einzuweisen versuchte bei den Proben für die Schulkonzerte. Er ahnte ja nichts von unseren Bemühungen um den Chorgesang auf Klassenfahrten, wo die Zeit im Bus mit Gesängen eher aufmüpfiger Art verkürzt wurde. Den Kanon „Wir haben Hunger, wo bleibt das Essen“ haben wir gerade noch einigermaßen sittsam gesungen, während der Speisekarten-Kanon schon offensiv gebrüllt wurde. Schokolade, Eisbein, Schnitzel, Blumenkohl, Salat, Erdbeertorte, Krümelkuchen, Rote Grütze, Bratkartoffeln“.
Wir sangen taktfest, sicher und laut.
Bedingt durch Beruf und Familie fand ich erst nach vielen Jahren wieder zum Chorgesang zurück. Bei Vera Behne (evang. Kirchenchor Beuel-Süd) musste man Musik körperlich aufnehmen, man musste sie schmecken, hören und fühlen.. Diese Kniffe und Tricks und die gute Stimmbildung, die ich bei Vera Behne genossen hatte, waren die Grundlage für mein Engagement in der am  07.02.1974 von der städtischen Musikschule ins Leben gerufenen CHORGEMEINSCHAFT SANKT AUGUSTIN, und ich war von Anfang an dabei. Hier wurde ernsthaft Musik gelehrt und erarbeitet. Einfache Volkslieder hören sich doch so leicht an und sind schwieriger zu erarbeiten als Motetten oder Oratorien.
Der erste musikalische Leiter des Chores, Adolf Hamacher, hatte durch seine Arbeit mit verschiedenen Männerchören immer ein paar stimmfeste Sänger an der Hand, die unseren an Männermangel leidenden Chor bei Aufführungen unterstützen konnten. Als Leiter des Jugendchores Bonn und durch seine Mitarbeit im Sängerkreis Bonn hatte Adolf Hamacher viele Verbindungen aufbauen können, insbesondere auch zu ausländischen Solisten,  Chören und Orchestern, die auch unserem Chor die Möglichkeiten gaben, mit ihnen zu musizieren. Die künstlerischen Erfolge eines Chores sind am Publikumszuspruch und den Kritiken abzulesen. Den Applaus, den Chordirektor Stephan Wurm  erntete nach dem letzten Jahreskonzert der CHORGEMEINSCHAFT, hatten sich Chor, Orchester, Solisten und Dirigent redlich verdient. Stephan Wurm (seit einigen Jahren Leiter des Chores), hatte Neuland betreten und mit dem Chor die Argentinische Tangomesse einstudiert. Dieses Konzert war für mich das Ereignis der letzten Jahre. So schwungvoll habe ich unseren Chor noch nie singen gehört.

Als besondere Herausforderung für mich persönlich habe ich immer das kurzfristige Einspringen als Aushilfe bei anderen Chören empfunden, z.B. mein Mitsingen in den höchsten Tönen bei der Aufführung der „Carmina Burana“ von Carl Orff unter der Leitung von Heribert Beissel in der Kölner Philharmonie an einem Silvesterabend.
Für den Chor waren einige Welturaufführungen interessant. „Die Reise nach Kevlaer“ von Engelbert Humperdinck in Siegburg, dem Geburtsort Humperdincks, insbesondere aber das anlässlich der 2000-Jahrfeier der Stadt Bonn von Friedrich Radermacher komponierte Loblied auf Bonn „Bonna Solum Felix“, das von sämtlichen dem Sängerkreis Bonn und Umgebung angeschlossenen Chören (insgesamt 350 Sängerinnen und Sänger) und einem Orchester unter der Leitung von Adolf Hamacher in der Beethovenhalle Bonn angestimmt wurde.
Zu erzählen gibt es bei mir immer noch einiges. Meine Stimme aber ist mit mir alt geworden, so dass ich nur noch für den Hausgebrauch ab und an singe, meinen Enkeln Kanons für Klassenfahrten beibringe - im Bus zu singen, oder in der Badewanne mit Schaum im Ohr – Yellow Submarine,  oder so…..aufgeschrieben von Erika Widdershoven im Februar 2008


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