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Tiere in Haus und Garten Teil 2
Von Mäusen und Vögeln

Das schöne Wetter verführte nicht nur dazu, zum Beispiel überwinterte Oleander in ihr Sommerquartier zu bringen und an ihnen Schönheitspflege zu betreiben. Auch der unter Folie verschwundene Gartenspringbrunnen wurde wieder zum Rinnen gebracht. Er ist aus drei Segmenten zusammengebaut, in denen sich die Elektrik und die Wasserpumpe befinden, die zum Winter hin heraus genommen und frostsicher gelagert wird. In diesen kleinen Freiräumen fand sich bei den Frühjahrs-Reinigungsarbeiten lauter Abfall, Kerne, angefressen, einige Hände voll. Die Mäuse, so nehmen wir an, können damit schon gut genährt über den Winter gekommen sein.
Waren das noch Zeiten, als unsere Tochter Almut karierte Mäuse nach den Mendelschen Gesetzen züchten wollte und dazu eine weiße und eine schwarze Maus kreuzte. Es kamen braune, bunte, graue Mäuse bei diesen Versuchen heraus, aber eine karierte Maus war nie dabei Ich selbst fand das Sortieren nach Geschlecht am interessantesten. Die Mäuschen wurden am Schwänzchen hochgehalten, ein kritischer Blick, dann wurde sortiert: Männlein links, Weiblein rechts ins Körbchen. Einige kamen dann zur weiteren Zucht in ein Außengehege nahe dem Stall für die Zwergkaninchen. Die anderen wurden auf der Hangelarer Heide wieder frei gelassen.
Eine dieser Mäuse zeigte sich anhänglich, sie war an das gute Futter gewöhnt und versuchte heimlich, bei Nacht und Nebel, davon etwas mit zu bekommen. Sie brachte auch die  kontrollierte Mäusezucht unserer Tochter durcheinander. So ging das nicht weiter. Es wurde beschlossen, mit Hilfe einer Lebendfalle die Maus zu fangen und sie dann an weit entferntem Ort wieder frei zu lassen.
Gesagt – getan. Interessierte Nachbarn steuerten eine Lebendfalle bei, in der unser gutes Mäusefutter als Köder ausgelegt wurde. So präpariert wurde die Falle in der Nähe der Mäusezucht aufgestellt. Doch siehe da, am nächsten Morgen war die Falle leer, aber es war keine gefangene Maus zu sehen. So ging das tage- und nächtelang. Mit einem Fernglas legte ich mich zur Mittagszeit auf die Lauer und es bot sich mir ein interessantes Spektakel. Es krabbelte aus einem Spalt in der Nähe der Futterstelle eine Maus heraus gefolgt von sieben kleinen Mäuschen. Die Kleinen krochen wie selbstverständlich in die Lebendfalle, fraßen ein wenig und schoben alles andere mit ihren Füßchen unter dem Gitter her aus der Falle heraus. Die Mäusemama konnte in aller Ruhe ihre Lieblingsspeise zu sich nehmen. Anschließend zog die Familie von dannen, im Gänsemarsch, à la queue. Nach einiger Zeit unterblieb der Mäusebesuch, Nachbars Katze wurde zwischenzeitlich auch in unserem Garten gesehen. C’est la vie.

Unsere Tochter Almut war und ist auch heute noch äußerst tierliebend. Oftmals brachte sie kranke oder verletzte Tiere zu uns nach Hause und verschwand dann mit diesen beim Tierarzt, der meistens den Eltern eine Entscheidung überließ. Eine junge Krähe, die Almut auf dem Radweg gefunden hatte, wurde auf mein Drängen hin wieder an derselben Stelle ausgesetzt, ich wollte keine Krähen in meinem Garten haben, wo uns doch so viele Elstern mit ihrem Schrateln und Gackern auf den Nerv gehen ebenso wie die Türkentauben, die in einer der Kiefern nisten.

Ein Vögelchen, das aussah wie ein Spatz, wurde von Almuts Turnlehrerin während der Schulstunde in unser Haus gebracht. Dieser entpuppte sich als ein ziemlich schmuddeliges Möwchen (weiße Zwergfinken werden so genannt), das nach einigen Badeübungen sich wie ein König vorkam. Möwchen sind gesellige Tiere, daher wurde für unseren Neuzugang ein weibliches Möwchen besorgt. Die beiden erfreuten uns noch viele Jahre.

Ein aus dem Nest gefallenes Amselkind wurde ganz besonders gehegt und gepflegt. Almut ließ sich sehr schnell davon überzeugen, dass sich das Amselkind im mit Watte gefüllten und thermostatierten Ostereierkörbchen wohl fühlen würde, wohler jedenfalls als an dem Platz an ihrem Körper, den sie auserwählt hatte und wo das Amselkind Gefahr lief, erdrückt zu werden. Zu einer Amsel-Aufzuchtstation gehört eine Pipette zum Füttern und Tränken, klein gehackte Mehlwürmer und gehacktes Eigelb und natürlich gleich bleibende Wärme. Mehr braucht man nicht, sagt Almut. Das Tierchen nahm sogar sichtlich gerne sein Futter aus Almuts Hand an. Ich sah mich schon als Mutterersatz durch die Wohnung huschen, das Amselkind immer hinter mir, immer in der Angst, das Tierchen zu übersehen und es zu verletzen, während Almut in der Schule war. Aber irgendwann – das Tierchen hatte schon leichten Flaum am ganzen Körper entwickelt, war sein kurzes Leben doch zu Ende. Es wurde neben bzw. zwischen den Kanarienvögeln und Wellensittichen bestattet, die in unserem Haus das Zeitliche gesegnet haben.

Tiere in Haus und Garten habe ich diese Zusammenstellung genannt und am 1. April 2007 aufgeschrieben. Keinesfalls als Aprilscherz hat sich heute ein neuer Garten-Mitbewohner zum ersten Mal gezeigt, es ist ein kleines Wildkaninchen, das putzmunter ist und sich unter unserem Rhododendron sicher fühlt vor den lauernden Elstern. Ich werde euch alle auf dem Laufenden halten. Ich kann jetzt schon bezüglich der abgefressenen Frühlingsblumen guten Gewissens sagen: „Das Kaninchen war’s und nicht die Schnecken.“

 

 

 

 

Erika Widdershoven am 01.04.2007

 

 



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