Schnecken, nicht schon wieder, rufen alle meine Leser. Liebe Leserinnen, sie gehören nun mal zu den erwähnenswerten Lästlingen, wie Spinnen in der Waschküche oder wie schwarze und grüne Läuse und beißende Insekten an Rosen oder überwinterte Schildläuse am Oleander.
Ich erzähle euch erst einmal von der Waldohreule, die angebunden in unserem Wacholderbaum sitzt. Diese echt chinesische Eule ist ein Bewegungsmelder. Durch ihre Rufe, die von großer Lautstärke und entsetzlich anzuhören sind, sollte die Eule eventuelle Einbrecher in die Flucht schlagen. Leider reagierte die Eule auch auf jeden Katzenbesuch in der Nacht und auf etwas heftigeren Wind. Wir hörten nachts Geräusche von der Art, wie sich echte Chinesen den Ruf einer Waldohreule vorstellen. Es war schrecklich anzuhören, für die Nachbarn noch mehr als für uns, denn wir hatten Zugang zum Abstellknopf. Als dieser aber auch nicht mehr funktionierte, wurde die Eule ruck zuck stillgelegt. Seit der Zeit schaut die Eule versonnen in den Garten, kneift mir ein imaginäres Auge zu und denkt sich ihren Teil der Geschichte. Sie schaut einem weißen Widder zu, demTotem-Tier unserer Familie, Hannibal wird er genannt und ist eine täuschend ähnliche Nachbildung eines Widders aus Kunststoff. Hannibal hat den ganzen Tag Muße genug, die Gänseblümchen beim Wachsen zu beobachten und zuzuschauen, wie die beiden Nachwuchsschafe, die ebenfalls wie der Widder aus Kunststoff sind, den Löwenzahn umlagern. Keines dieser Tiere hat jemals den ihm zugewiesenen Platz selbstständig verlassen. Anders hingegen die Eichhörnchen. Man merkt sofort, wenn sie uns wieder einen Besuch abstatten. Nur dann liegen unter unseren Kiefern abgeworfene Zapfen und die abgeknabberten Schäfte der Zapfen, die Schuppen scheinen die Eichhörnchen als besondere Delikatesse anzusehen, die finden sich, zum Teil in der Erde verbuddelt, im gesamten Garten wieder. Es müssen mehrere Eichhörnchen sein, die da in unserem Garten ihren Festtagsschmaus zusammenstellen. Eines alleine kann bestimmt nicht soviel fressen, wie aus der Abfallmenge der hinterlassenen Kiefernzapfen geschlossen werden kann.. Im vergangenen Jahr hatten wir es jedenfalls mit einem roten und einem schwarzen Eichhörnchen zu tun. Sie waren ganz zutraulich und liefen an der Hauswand entlang bis zur Hausecke, quer über den Weg, balancierten über den Maschendrahtzaun, dann ging es wieder zurück bis fast zum Eingang. Eines Tages – ich traute meinen Augen kaum, kam das rote Eichhörnchen zu Besuch in unseren Garten- im Schlepptau hatte es drei äußerst kleine, niedliche junge Eichhörnchen denen die ganze Umgebung gezeigt wurde einschließlich des Eingangs in unser Haus, den ich kurz vorher aber geschlossen hatte. Durch die Glastür beobachtete ich, dass sich das Eichhörnchen auf die Hinterbeine setzte und mit den Vorderbeinen gegen die Scheibe der Tür klopfte und mich so auf sich und den Nachwuchs aufmerksam machte. Ich bewunderte gebührend den Nachwuchs, gab aufmunternde Worte an die Brut von mir. Dann zog die muntere Schar wieder von dannen. Wo sie überwintert haben, das habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Wenn sie jetzt vielleicht wieder auftauchen – vielleicht zu Ostern – der Tisch mit Kiefernzapfen ist immer noch gedeckt und bietet Köstlichkeiten auch für eine Großfamilie Eichhorn. Eine kleine Bronzeplastik erinnert an unsere Eichhörnchen. Katzen mögen dieses künstliche Eichhorn nicht besonders, sie benutzen es als Spielball – aber die Zeiten sind vorbei. Bei einer Garten-Säuberungsaktion wurde das Eichhörnchen auf seinem Sockel fixiert. Ätsch!
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